Microsoft umwirbt Verleger bei Geheimtreffen
Weltweit sind Medienhäuser auf der Suche nach Bezahlmodellen für Webinhalte. Jetzt hat der US-Konzern einen – recht konspirativen – Vorstoß gewagt: Die europäischen Verleger sollten bei Google ausmustern und exklusiv zu Bing wechseln.
Der US-Internetkonzern Microsoft wirbt bei europäischen Zeitungsverlegern für ein Bündnis mit seiner Suchmaschine Bing. Das berichtete das Branchenblog Techcrunch Europe. Demnach habe es in der vergangenen Woche ein Geheimtreffen zwischen Microsoft und Verlagsvertretern in London gegeben, darunter auch mit Managern von Axel Springer und der britischen Financial Times.
Microsoft will die Verleger überzeugen, Inhalte exklusiv über Bing auffindbar zu machen und Google den Rücken zu kehren. Der Weltmarktführer bei der Internetsuche verdient sein Geld mit Werbeanzeigen, die auf den Ergebnisseiten eingeblendet werden. Die Verlage als Lieferanten der Ergebnisse fordern eine Beteiligung am Gewinn – bislang jedoch ohne Erfolg.
Techcrunch Europe zufolge stellt Microsoft den Medienhäusern finanzielle Unterstützung in Höhe von 100.000 Pfund (rund 112.000 Euro) in Aussicht bei der Weiterentwicklung des Automated Content Access Protocol (ACAP). Mittels ACAP können Webseitenbetreiber bestimmen, welche Inhalte für Internetnutzer zugänglich sind. Das ist attraktiv für Verlage, da sie so kostenlosen Zugriff auf ihr Angebot verhindern könnten.
Kaum Drohpotenzial
Ob die Medienhäuser Google jedoch mit einem Wechsel zu Bing unter Druck setzen können, ist fraglich. Einer Studie der Unternehmensberatung The Reach Group zufolge gehören nur fünf Prozent der Google-Treffer auf Seite eins den Verlagen, die die so genannte Hamburger Erklärung unterzeichnet haben. Darin haben sich insgesamt 166 Medienhäuser aus aller Welt zusammengeschlossen, um gegen die Ausbeutung ihrer Inhalte durch Google zu protestieren. Unter den Unterzeichnern befindet sich auch Gruner + Jahr, dem die FTD gehört.
Bing indes könnte mit Unterstützung der Verlage dringend benötigte Marktanteile gewinnen. Aktuellen Zahlen des Dienstleisters Webhits zufolge dümpelt die Suchmaschine in Deutschland derzeit auf Platz zwei mit 2,7 Prozent. Dahinter liegt Yahoo (2,5 Prozent).
Google führt den Markt mit 89,6 Prozent an. Anders in den USA: Hier führt Google nach Zahlen von Hitwise für Oktober nur mit 70,6 Prozent. Yahoo belegt Platz zwei mit 16,1 Prozent. Bing liegt auf Position drei, legte aber im Vergleich zum Vormonat deutlich zu auf 9,6 Prozent.
Erst kürzlich hatte Rupert Murdoch , Chef des US-Medienkonzerns News Corp , angekündigt, die Onlineausgabe des Wall Street Journal, WSJ.com, und andere Webseiten aus dem Google-Index zu nehmen. Die Seiten würden dann künftig weder in den Google-Suchergebnissen noch bei Google News gelistet.
Schätzungen zufolge verlöre WSJ.com ohne Google rund ein Viertel seines Nutzeraufkommens. Murdoch sagte dem US-Fernsehsender Sky News, der ebenfalls zu News Corp gehört: “Wir wollen lieber weniger Nutzer auf unseren Webseiten, dafür aber solche, die zahlen.” WSJ.com-Nutzer müssen für einen Teil der Inhalte bezahlen, ebenso wie Leser der Internetausgabe der Financial Times. Allerdings hat Google ein Abkommen mit News Corp, das den Suchmaschinennutzern trotzdem das kostenlose Lesen von WSJ-Inhalten ermöglicht.

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