Die Entscheidung über Googles Engagement in China lässt weiter auf sich warten. Die chinesischen Geschäftspartner drängen in einem Schreiben an Google auf ein Ende der Unklarheit. Derweil bereitet sich Microsoft vor, in Googles Fußstapfen zu treten.

Die Frage, wie es nach dem Ausstieg weiter gehen soll, macht Google die Entscheidung sicher nicht einfach. Beobachter vermuteten, dass Google dann auch weiterhin den chinesischen Markt bedienen wird, aber dazu eben nicht mehr die Adresse google.cn verwenden kann. Doch ein Regierungssprecher hat inzwischen ausgesprochen, was jedem klar sein muss: Google muss sich auch dann an die Gesetze Chinas halten, wenn es seine Aktivitäten in China beendet hat.

Was im Klartext bedeutet, dass Google andernfalls damit rechnen muss, auf technischem Weg vom chinesischen Markt getrennt zu werden. Facebook, YouTube, Twitter und andere große US-Sites werden jetzt schon von Chinas “Firewall” gefiltert. Google.com ist zur Zeit noch nicht von diesen Sperren betroffen. Doch bei der Eingabe “kritischer” Suchbegriffe kann es geschehen, dass der chinesische Benutzer Fehlermeldungen erhält.

Wenn Google den Chinesen aber gar keine Suchergebnisse mehr liefern darf, ist es auch mit Werbeanzeigen für die fast 400 Millionen User des Landes vorbei. Das ist auch dann ein Problem, wenn Google sich hinsichtlich seiner Aktivitäten auf den Mobilfunkmarkt beschränkt. Sein Betriebssystem Android will Google in China ungeachtet aller Querelen “florieren” sehen. Doch was nutzt Google die Kontrolle über das Betriebssystem, wenn die Kontrolle über die mobile Suche auf der Strecke bleibt?

Mit Motorola hat der Google-Konkurrent Microsoft bereits ein Abkommen getroffen, das Bing einen Platz auf den Android-Geräten von Motorola sichert.  Überhaupt scheint Microsoft scheint derweil nicht von moralischen Bedenken etwa wegen der Einschränkung der Informationsfreiheit geplagt und plant vielmehr eine Übernahme von Googles Geschäften. Dieser Eindruck entsteht zumindest, nachdem schon mindestens drei Google-Mitarbeiter in China von Microsoft abgeworben wurden. Allerdings darf Microsoft sich der chinesischen Regierung nicht zu sehr aufdrängen, denn das Engagement von US-Unternehmen in China hat in den letzten Jahren immer wieder für unangenehme politische Reaktionen im Heimatland geführt.

Doch Microsoft hat in China auch großen Nachholbedarf, was den Suchmaschinenmarkt angeht. Mit cn.bing.com erreicht das Unternehmen in China einen Marktanteil, der laut Wall Street Journal unter 1% liegt. Was auch mit der unglücklichen Namenswahl zu tun haben mag. “Bing” ist in China leider kein lautmalerischer Ausdruck, sondern bedeutet je nach Aussprache “krank”, “kalt” oder “Pfannkuchen”.

Darum hat Microsoft den Namen inzwischen schon halbherzig auf “bi ying” (biying.cn leitet auf bing.com um) geändert. Doch das heißt so viel wie “muss gehorchen”. Auch das ist als Name für eine Suchmaschine vielleicht nicht die beste Wahl.

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